In der aktuellen Folge des Podcasts Moove (New Mobility Podcast von Auto, Motor und Sport) dreht sich alles um die aufsehenerregenden "Tesla-Files". Die Moderatoren Luca Leicht und Gerd Stegmaier begrüßen hierfür gleich zwei Gäste: Sönke Iwersen und Michael Verfürden, beide Investigativjournalisten beim Handelsblatt. Iversen leitet dort seit 2012 das Ressort Investigative Recherche und hat unter anderem die Skandale um Wirecard und Dieselgate mit aufgedeckt. Verfürden gehört seit 2020 zu seinem Team und ist spezialisiert auf die Auswertung großer Datenlecks. Gemeinsam haben sie monatelang an den sogenannten Tesla-Files gearbeitet – einer umfangreichen Recherche, die die internen Probleme und Skandale des Elektroauto-Pioniers Tesla beleuchtet.
Dieser Podcast ist eine besondere Doppelfolge, denn das Thema ist so gewaltig, dass es sogar ein eigenes Buch füllt: "Die Tesla-Files" ist vor Kurzem im Verlag C.H.Beck erschienen. Im ersten Teil der Unterhaltung geht es vor allem um "das System Tesla" – also die Firmenkultur, die Produkte (insbesondere den Autopiloten) und den Umgang mit Daten und Kunden. Im zweiten Teil (der in dieser Zusammenfassung ebenfalls berücksichtigt wird) rückt dann Tesla-CEO Elon Musk in den Fokus. Die Gesprächsrunde erörtert, was hinter den Enthüllungen der Tesla-Files steckt: Wie kam es zu dem gigantischen Daten-Leak bei Tesla? Welche Missstände wurden aufgedeckt? Und welche Rolle spielt Elon Musk persönlich in diesen Kontroversen? Die Hosts und ihre Gäste liefern Einblicke in die Arbeit der Investigativjournalisten, die Geschichte eines Whistleblowers im Zentrum der Affäre und die Konsequenzen der Enthüllungen für Verbraucher, Behörden und die Automobilindustrie.
Key Takeaways
- Ein zentraler Auslöser der Tesla-Files ist ein Whistleblower. Der ehemalige Tesla-Mitarbeiter Lukasz Krupski verschaffte den Journalisten heimlich rund 100 Gigabyte interner Daten. Zuvor hatte er vergeblich versucht, die Informationen an Behörden weiterzugeben – ohne Erfolg.
- Die geleakten Daten offenbaren einen massiven Datenschutzskandal. Über 100.000 sensible Datensätze – von Namen und Adressen über Sozialversicherungsnummern bis hin zu Gesundheitsinformationen – waren für einen einfachen Servicetechniker abrufbar. Tesla hat damit gegen die eigenen Richtlinien ("Need-to-know"-Prinzip) und vermutlich auch gegen Datenschutzgesetze verstoßen.
- Tausende Kundenbeschwerden zum Fahrassistenzsystem „Autopilot“ finden sich in den Unterlagen. Oft klagten Fahrer darüber, dass ihr Tesla grundlos bremste (Phantombremsungen) oder plötzlich beschleunigte. Diese internen Meldungen stehen in starkem Kontrast zu Teslas öffentlichen Verlautbarungen, wonach der Autopilot sicher und beinahe reif für vollständig autonomes Fahren sei.
- Elon Musks vollmundige Versprechen zum autonomen Fahren werden im Podcast kritisch beleuchtet. Seit fast zehn Jahren kündigt Musk immer wieder an, dass Teslas bald völlig selbstständig fahren könnten – eingetreten ist das bis heute nicht. Dennoch gelingt es ihm mit ständig neuen Ankündigungen, die Begeisterung von Kunden und Investoren hochzuhalten.
- Im Umgang mit Unfällen zeigt sich ein alarmierendes Muster. Bei schweren Unfällen mit Teslas Autopilot bricht offenbar oft der Datenfluss ab, sodass Unfallhergänge nicht vollständig nachvollziehbar sind. In einem konkreten Fall verlangten Ermittler nach einem tödlichen Crash Fahrzeugdaten – Tesla behauptete, es lägen „keine relevanten Daten“ vor.
- Auch das Versagen oder die Überforderung der Aufsichtsbehörden wird deutlich. Behörden wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA sind auf Teslas Kooperation angewiesen, um Fehlfunktionen nachzuweisen – doch Tesla rückt Daten nur zögerlich oder gar nicht heraus. Diese Intransparenz erschwert es den Behörden, gegen mögliche Sicherheitsrisiken vorzugehen.
- Die Tesla-Files sind das Ergebnis monatelanger, akribischer Teamarbeit. Bis zu 14 Journalistinnen und Journalisten arbeiteten beim Handelsblatt an der Analyse des Datenlecks. Sie durchforsteten gewaltige Excel-Tabellen mit Beschwerdelisten, überprüften jeden Hinweis und holten Expertenrat ein, um die technischen Details zu verstehen.
- Aus den Enthüllungen entsteht das Bild eines Unternehmens, das bewusst Regeln umgeht. Tesla agiert eher wie ein Tech-Konzern als wie ein klassischer Autohersteller und testet Grenzen aus, etwa bei Werbeversprechen oder dem Umgang mit Kundendaten. Die Podcast-Gäste betonen, dass jeder Fehler eines Tesla zwar theoretisch die gesamte Flotte „schlauer“ machen soll, kritische Vorfälle intern jedoch oft heruntergespielt werden.
- Die Geschichte des Whistleblowers ist auch ein menschliches Drama. Krupski war anfänglich ein glühender Tesla-Fan, der in Norwegen für seinen Traum-Arbeitgeber Musk arbeitete. Als Idealist wollte er auf Missstände aufmerksam machen, um Tesla sicherer und besser zu machen – nicht um dem Unternehmen zu schaden.
- Nach den Veröffentlichungen blieb die Identität des Informanten nicht lange geheim. Nur sechs Tage nach dem ersten Tesla-Files-Bericht wurde Krupski von der Polizei aus dem Bett geholt: Tesla hatte ihn enttarnt, seine Wohnung wurde durchsucht und ein Strafverfahren eingeleitet. Am Ende entschieden Gerichte in Norwegen zu seinen Gunsten und sprachen ihm Entschädigung zu – doch Tesla bekämpft diese Entscheidung juristisch weiter, während der Whistleblower bereits mit einem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet wurde.
Hauptinhalte
Die Entstehung der Tesla-Files und die Rolle des Whistleblowers Lukasz Krupski
Lukasz Krupski träumte lange davon, für Elon Musks Unternehmen zu arbeiten. Der gebürtige Pole erhielt 2018 endlich die Chance und zog nach Norwegen, um als Servicetechniker bei Tesla anzufangen. Doch die anfängliche Euphorie schlug schnell in Ernüchterung um: Krupski stieß im Arbeitsalltag auf gravierende Missstände und fragwürdige Praktiken. Bereits nach wenigen Monaten merkte er, dass bei Tesla vieles im Argen lag – von organisatorischen Problemen in der Werkstatt bis hin zu bedenklichem Umgang mit Kundendaten und Sicherheitsthemen.
Krupski entschloss sich, die Zustände nicht einfach hinzunehmen. Über Monate sammelte er interne Dokumente, E-Mails und Daten – ein digitaler Schatz von rund 100 Gigabyte. Zunächst wandte er sich an offizielle Stellen: Er kontaktierte die US-Börsenaufsicht SEC, die Verkehrsbehörde NHTSA sowie Datenschutzbehörden. Doch nirgendwo fand er Gehör. Enttäuscht versuchte der Whistleblower daraufhin, Journalisten für seine Geschichte zu interessieren. Nach einigen erfolglosen Anläufen landete seine anonyme Nachricht schließlich im November 2022 bei Sönke Iwersen vom Handelsblatt. Iwersen erkannte sofort die Tragweite: Hier bot sich die Chance, tief ins Innere von Tesla zu blicken. Nach einem ersten vertraulichen Austausch über einen verschlüsselten Messenger war klar, dass umfangreiche Recherchearbeit bevorstand. So nahm die Investigation ihren Anfang – mit einem Whistleblower, dessen Gewissen ihn an die Öffentlichkeit trieb, und einem Journalisten-Team, das die Brisanz des Materials erkannte.
Datenleaks und interne Probleme bei Tesla
Das von Krupski erbeutete Datenpaket offenbarte Erstaunliches über Teslas Innenleben. Darin fanden sich zum einen sensible Personaldaten in Hülle und Fülle: Rund 100.000 Namen von Mitarbeitern und Kunden mitsamt Adressen, Telefonnummern, Gehältern und sogar Sozialversicherungsnummern waren ungeschützt abrufbar. Selbst heikle Details wie Gehaltslisten, interne Korrespondenzen und vertrauliche Verträge lagen im Klartext vor. Pikantestes Detail: Sogar Elon Musks eigene Sozialversicherungsnummer und Rechnungen seiner Bodyguards tauchten in den Dokumenten auf. All diese Informationen hätten einem einfachen Servicetechniker eigentlich niemals zugänglich sein dürfen. Tesla predigt intern zwar das Prinzip „Need to know“ (Mitarbeiter dürfen nur auf für ihre Arbeit notwendige Daten zugreifen), doch die Realität sah offenbar anders aus. Dieses eklatante Datenleck stellt nicht nur einen Vertrauensbruch gegenüber Kunden und Mitarbeitern dar, sondern dürfte auch gegen Datenschutzgesetze – etwa die europäische DSGVO – verstoßen.
Neben dem Datenschutz-Fiasko offenbaren die Tesla-Files auch handfeste technische und organisatorische Probleme bei Tesla. Der Datensatz enthielt unzählige interne Protokolle, Fehlermeldungen und Beschwerdeberichte. Daraus zeichnete sich das Bild einer Firma, in der Qualitätsmängel und Kundenreklamationen zwar dokumentiert, aber nicht konsequent behoben wurden. So listeten riesige Excel-Tabellen Tausende von Fällen auf, in denen Tesla-Fahrer Pannen oder gefährliche Zwischenfälle meldeten – von Türen, die sich unvermittelt öffneten, bis zu Batterien, die schneller als erwartet Kapazität verloren. Viele dieser Vorfälle waren bis dato nie an die Öffentlichkeit gelangt. Intern wusste Tesla sehr wohl um etliche Schwachstellen, doch man entschied sich offenbar häufig, diese Informationen unter Verschluss zu halten. Die Tesla-Files führten damit vor Augen, dass der Kult-Autobauer in Sachen Transparenz und Qualitätskontrolle erheblichen Nachholbedarf hat.
Autopilot-Versprechen vs. Realität
Ein Schwerpunkt der Tesla-Files liegt auf dem „Autopilot“, Teslas vielbeworbenem Fahrerassistenzsystem. Elon Musk hat seit 2015 immer wieder vollautonomes Fahren in Aussicht gestellt – mal hieß es, bis Ende des Jahres werde ein Tesla komplett selbstständig von Küste zu Küste fahren können, mal, dass in „sechs Monaten“ die Autos ohne Eingriffe navigieren. Diese Versprechen wurden nie eingelöst, doch sie gehören quasi zum Geschäftsmodell: Der Podcast macht deutlich, dass Musk stets neue visionäre Ankündigungen nachschiebt, sobald alte Zeitpläne verstrichen sind. So hält er Fans und Investoren bei Laune und den Aktienkurs hoch, obwohl die Realität den Beteuerungen hinterherhinkt.
Tatsächlich ist der Autopilot bis heute ein System, das aktive Überwachung durch den Fahrer erfordert – weit entfernt vom „Full Self Driving“, das Musk propagiert. Die Tesla-Files zeigen, wie groß die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist. Im Datensatz finden sich Tausende interne Beschwerden von Kunden, bei denen der Autopilot nicht wie vorgesehen funktionierte. Häufig berichteten Fahrer von sogenannten Phantombremsungen, bei denen das Fahrzeug grundlos abrupt abbremst, oder vom Gegenteil: plötzlichen Beschleunigungen ohne Befehl. In einem besonders drastischen Fall soll ein verärgerter Kunde gesagt haben: „Mein Autopilot hat heute versucht, mich umzubringen.“ Solche Vorfälle widersprechen eklatant dem Bild eines nahezu perfekten selbstfahrenden Autos, das Tesla nach außen zeichnet.
Die internen Meldungen standen in scharfem Kontrast zu den offiziellen Verlautbarungen des Unternehmens. Während Tesla nach außen betont, wie sicher der Autopilot angeblich ist und wie nah man dem autonomen Fahren sei, dokumentieren die Dateien zahlreiche kritische Situationen und Softwarefehler. Das Ausmaß der Probleme war intern offensichtlich bekannt: Tesla hat im Unternehmen eigene Teams, die sich jedem einzelnen Problemfeld widmen – ob Bremsen, Batterien oder eben dem Autopiloten. Doch nach außen dringen diese Probleme nur selten. Erst durch das Whistleblower-Material wurde das tatsächliche Fehlerausmaß greifbar. Es untermauert die Kritik von Experten, dass der Begriff „Autopilot“ irreführend ist und Fahrer in falscher Sicherheit wiegt.
Umgang mit Unfällen, Datenlöschung und Behördenreaktionen
Ein besonders brisanter Aspekt der Enthüllungen ist Teslas Umgang mit Unfällen, insbesondere wenn der Autopilot involviert ist. Offenbar kommt es vor, dass genau im Moment eines schweren Unfalls die Aufzeichnungen der Fahrzeugsensoren und -kameras lückenhaft oder unvollständig sind. Die Podcast-Gäste schildern zum Beispiel den Fall eines tödlichen Unfalls, bei dem Ermittler die Telemetrie-Daten des Wagens anforderten. Tesla antwortete lediglich, es seien „keine relevanten Daten vorhanden“ – obwohl modernste E-Autos normalerweise jeden Sekundenbruchteil erfassen. Aus unerklärlichen Gründen brach also just beim Crash der Datenfluss ab. Für Hinterbliebene und Gutachter ist das höchst frustrierend, denn ohne Daten lässt sich kaum klären, ob ein technischer Defekt zum Unfall beitrug. Tesla kann so implizit die Schuld stets beim Fahrer belassen.
Diese Intransparenz erschwert auch den Behörden die Arbeit. In den USA untersucht die Verkehrsaufsicht NHTSA zwar Dutzende Autopilot-Zwischenfälle, ist dabei aber auf die Kooperation des Herstellers angewiesen. Wie im Podcast erörtert wird, entsteht ein Teufelskreis: Um Tesla Verfehlungen nachzuweisen, bräuchten Behörden Zugriff auf die Fahrdaten – doch genau die rückt Tesla oft nicht heraus. Ähnlich herausfordernd ist die Lage in Europa. Die deutschen Aufseher (etwa das Kraftfahrt-Bundesamt) stehen Tesla relativ machtlos gegenüber, da viele Regeln für Fahrassistenzsysteme noch unklar sind und Verstöße ohne klare Beweise schwer zu ahnden. Tesla nutzt diese Grauzonen geschickt aus. So wurde der Begriff „Full Self Driving“ in seiner Werbung lange verwendet, obgleich stets im Kleingedruckten steht, der Mensch müsse zu jeder Zeit eingriffsbereit bleiben. Passiert ein Unfall, verweist Tesla auf genau diesen Haftungsausschluss. Für die Politik und Regulierer stellt sich die Frage, wie man mit einem Hersteller umgeht, der technisch neue Wege geht, sich dabei aber herkömmlichen Kontrollen entzieht.
Investigativer Journalismus hinter den Kulissen
Die Gesprächsrunde gibt auch einen Einblick in die investigative Kleinarbeit, die hinter den Tesla-Files steckt. Nachdem Sönke Iwersen den Hinweis erhalten hatte, blieb das Vorhaben zunächst streng vertraulich. Zusammen mit Michael Verfürden und dem Investigativ-Team des Handelsblatts begann er, die Datenflut zu sichten und zu strukturieren. Was als Zwei-Mann-Projekt startete, wuchs rasch zu einem interdisziplinären Team an: Bis zu 14 Personen – darunter Datenjournalisten, Autoexperten, Juristen und Auslandskorrespondenten – waren zeitweise eingebunden. Gemeinsam arbeiteten sie monatelang daran, jedes Detail zu überprüfen und die Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Die schiere Menge von 100 Gigabyte an Informationen wurde in thematische Schwerpunkte aufgeteilt, um die Recherche beherrschbar zu machen.
Während dieser Phase agierten die Journalisten mit äußerster Vorsicht. Sie kommunizierten mit dem Whistleblower unter Decknamen und tauschten Dateien nur über sichere Kanäle aus, um seine Identität zu schützen. Intern war allen klar, dass Tesla früher oder später versuchen würde, die undichte Stelle aufzuspüren – was auch geschah. Dennoch war es wichtig, zunächst die Fakten sauber zu recherchieren, bevor man an die Öffentlichkeit ging. Dazu gehörte auch, die Glaubwürdigkeit der Quelle zu überprüfen. Iwersen reiste schließlich sogar persönlich nach Norwegen, traf den Informanten und ließ sich vor Ort Beweismaterial zeigen. Erst als das Team absolut sicher war, dass die Dokumente echt und brisant waren, begann die Publikation der Ergebnisse.
Veröffentlicht wurden die Enthüllungen schließlich im Mai 2023 im Handelsblatt und lösten weltweit Aufsehen aus. Bei der Aufbereitung der Geschichten entschieden sich Iwersen und Verfürden für einen ungewöhnlichen Stil: In ihrem Buch „Die Tesla-Files“ schreiben sie teils in der Ich-Perspektive und schildern auch die Abläufe in der Redaktion. Diese narrative Herangehensweise soll den Lesern verdeutlichen, wie eine solche Recherche abläuft – vom ersten anonymen Tipp bis zum fertigen Artikel. Die Podcast-Gäste berichten, dass sie bewusst einige Passagen in persönlicher Form verfasst haben, um die Dynamik und Spannung der Ermittlungsarbeit zu vermitteln. Trotz aller Erfolge betonen beide, dass die Tesla-Files kein Solo-Projekt waren, sondern eine Teamleistung, wie sie in diesem Ausmaß selbst für erfahrene Journalisten selten vorkommt.
Persönliches Schicksal des Whistleblowers und Bewertung durch die Journalisten
Zum Schluss richtet der Podcast den Blick noch einmal auf den Whistleblower selbst – Lukasz Krupski – und sein persönliches Schicksal. Die Journalisten zeichnen das Bild eines Mannes, der aus aufrichtiger Überzeugung handelte. Krupski war kein verbitterter Ex-Mitarbeiter, der Rache suchte, sondern ein Enthusiast, der Tesla eigentlich helfen wollte. Im Gespräch betonen Iwersen und Verfürden, wie eng das Vertrauensverhältnis zu ihrem Informanten wurde: Krupski teilte intime Einblicke und war emotional stark involviert, weil er das Unternehmen trotz aller Kritik im Kern immer noch schätzt. Er hatte nie das Ziel, sich selbst zu profilieren oder Tesla zu zerstören – im Gegenteil, er wollte auf Gefahren hinweisen, um Verbesserungen anzustoßen.
Dennoch musste Krupski einen hohen Preis zahlen. Kurz nach den ersten Veröffentlichungen der Tesla-Files schlug Tesla zurück: Nur sechs Tage später, eines Morgens in Norwegen, stand plötzlich die Polizei vor Krupskis Tür. Die Beamten durchsuchten seine Wohnung und beschlagnahmten Computer sowie Handys. Tesla hatte die undichte Quelle erstaunlich schnell identifiziert und Anzeige erstattet. Es folgte ein langwieriger Rechtsstreit, der für den Whistleblower zur nervlichen und finanziellen Belastungsprobe wurde. Schließlich entschied ein norwegisches Gericht zugunsten Krupskis: Er habe im öffentlichen Interesse gehandelt und Tesla müsse ihm eine Entschädigung von 10.000 Euro zahlen sowie rund 170.000 Euro an aufgelaufenen Anwaltskosten übernehmen. Doch Tesla akzeptierte dieses Urteil nicht und ging in Berufung – der juristische Kampf ist also noch nicht endgültig vorbei.
Trotz aller Widrigkeiten gab es auch Anerkennung für Lukasz Krupski. Er wurde in London mit einem Whistleblower-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet – eine Würdigung seines Mutes, Missstände offen anzuprangern. Im Podcast resümieren die Journalisten, dass der Informant zwar viel durchgemacht hat, aber mit seinem Gewissen im Reinen sein kann: Ohne ihn wären die Machenschaften hinter den Tesla-Kulissen wohl nie ans Licht gekommen. Sein Fall zeigt exemplarisch, wie wichtig Whistleblower für die Gesellschaft sind – und wie gefährlich es für den Einzelnen sein kann, sich mit einem mächtigen Großkonzern anzulegen. Iwersen und Verfürden zollen großen Respekt vor Krupskis Haltung und hoffen, dass dessen Beispiel sowohl Tesla selbst als auch die Aufsichtsbehörden wachrüttelt.
Fazit
Die Podcastfolge schließt mit einem klaren Fazit: Die Tesla-Files bringen ans Licht, was hinter der glänzenden Fassade des kalifornischen Elektroauto-Pioniers vor sich geht. Trotz aller berechtigten Anerkennung für Teslas Innovationskraft offenbaren die Recherchen eklatante Schwachstellen – sei es beim Schutz sensibler Daten, bei der Ehrlichkeit im Umgang mit technischen Problemen oder beim Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kunden und Öffentlichkeit. Elon Musks Unternehmen, so wird deutlich, ist nicht unfehlbar: Manche Versprechen entpuppen sich als überzogen, manche Probleme als hausgemacht. Zugleich zeigt der Fall, wie schwierig es ist, einen Konzern mit disruptivem Ansatz zur Rechenschaft zu ziehen, wenn Regulierung und Gesetze nicht Schritt halten. Hier wird die Verantwortung der Behörden und der Politik deutlich, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen neue Technologien sicher und transparent eingesetzt werden.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet die Enthüllung der Tesla-Files vor allem: Versprechen wie „Autopilot“ oder „Full Self Driving“ sind mit Vorsicht zu genießen. Die Kundenerfahrungen aus dem Leak mahnen, sich nicht blind auf Assistenzsysteme zu verlassen und bei Sicherheitsbedenken nachzufragen. Gleichzeitig sind solche Veröffentlichungen ein Weckruf an die gesamte Automobilindustrie. Wenn ein Branchenvorreiter wie Tesla mit Daten schludert und Mängel vertuscht, stellt sich die Frage, ob ähnliche Praktiken auch anderswo vorkommen – und wie man sie verhindern kann. Unternehmen, die das Vertrauen ihrer Kunden langfristig behalten wollen, müssen transparent und verantwortungsvoll handeln, gerade wenn es um Leben und Sicherheit geht.
Die Bedeutung der Tesla-Files reicht über den Einzelfall hinaus. Sie demonstrieren die Wichtigkeit von investigativem Journalismus, der auch in komplexen High-Tech-Bereichen für Aufklärung sorgt. Ohne den Mut von Lukasz Krupski und die Hartnäckigkeit der Handelsblatt-Reporter wäre die Öffentlichkeit weiter im Dunkeln über die Schattenseiten von Teslas Erfolgsstory. So aber haben Politik, Aufsichtsbehörden und Verbraucher nun konkrete Anhaltspunkte, um Verbesserungen einzufordern. Letztlich liefern die Tesla-Files eine Lektion in Sachen Verantwortung: Technologischer Fortschritt und visionäre Unternehmensführung dürfen nicht auf Kosten von Sicherheit, Transparenz und Ethik gehen. Dieser Podcast-Beitrag unterstreicht eindrucksvoll, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen – selbst bei einem Vorzeigeunternehmen wie Tesla – und aus den Erkenntnissen die richtigen Konsequenzen zu ziehen.