In der Podcast-Reihe "Alte Schule - Die goldene Ära des Automobils" begrüßt Moderator Carsten Arndt in dieser Folge einen Gast, der perfekt zur Vorfreude auf die neue Formel-1-Saison passt: Bernd Mayländer. Mayländer ist ein Mann der "alten Schule", der aber bis heute im Motorsport aktiv ist - und das in einem einmaligen Beruf. Seit über 25 Jahren führt er als offizieller Safety-Car-Fahrer der Formel 1 das Fahrerfeld an, wann immer ein Rennen neutralisiert werden muss. Kein anderer hat so lange diese besondere Rolle inne, und dementsprechend gibt es viele Geschichten und Erfahrungen, die er mit Moderator Carsten teilen kann.
Die Episode dreht sich um Mayländers außergewöhnlichen Werdegang vom motorsportbegeisterten Jugendlichen zum Formel-1-Safety-Car-Piloten. Gleich zu Beginn fragt sich der Moderator scherzhaft, wie man an so einen "coolen Job" überhaupt herankommt - schließlich gilt Mayländer aus Sicht mancher Rennfahrer als "immer viel zu langsam" unterwegs, wenn er im Safety Car vorwegfährt. Im Gespräch erzählt Bernd Mayländer ausführlich, wie er zum Rennfahrer wurde, welche Weichenstellungen und Highlights seine Karriere prägten und wie er schließlich die Verantwortung im Safety Car übernahm. Dabei gewährt er Einblicke in seinen Arbeitsalltag bei Grand Prix-Wochenenden, erläutert die Veränderungen über die Jahre und berichtet von prägenden Begegnungen -etwa mit Formel-1-Legenden wie Charlie Whiting oder Norbert Haug.
Neben den beruflichen Stationen kommen auch persönliche Anekdoten und die private Seite nicht zu kurz. Mayländer spricht darüber, wie seine Leidenschaft für Autos schon früh geweckt wurde, wie seine Familie ihn beeinflusst hat und wie er heute die Balance zwischen dem intensiven Reiseleben der Formel 1 und dem Familienleben zu Hause meistert. All das wird informativ und mit einem Augenzwinkern präsentiert, sodass die Hörer einen lebendigen Eindruck von Bernd Mayländers Leben auf und neben der Rennstrecke erhalten. Im Folgenden werden die Kernthemen und Erkenntnisse der Folge zusammengefasst.
Key Takeaways
Einzigartige Karriere im Safety Car: Bernd Mayländer bekleidet seit einem Vierteljahrhundert eine weltweit einmalige Position als Fahrer des Formel-1-Safety-Cars. In der Podcast-Episode erklärt er, wie er zu diesem besonderen Job gekommen ist und was ihn daran fasziniert. Dabei wird deutlich, dass Mayländer längst eine Institution in der Königsklasse des Motorsports ist und wie sehr er diese verantwortungsvolle Aufgabe schätzt.
Frühe Leidenschaft und Nordschleifen-Erfahrungen: Schon in jungen Jahren entfachte sich Mayländers Liebe zum Motorsport. Aufgewachsen in einer Familie aus der Getränke-Branche, machte er zunächst eine kaufmännische Lehre, entdeckte aber parallel auf der Kartbahn und der Nürburgring-Nordschleife sein Talent und seine Begeisterung für schnelle Autos. Seine ersten Runden auf der legendären Nordschleife drehte er noch mit Vorsicht - „wirklich langsam, Fenster offen, coole Mucke“ –, was den Grundstein für sein Verständnis von Fahrzeugkontrolle legte.
Das erste eigene Auto und die Prägung durch die Familie: Mayländers Eltern und Großeltern weckten früh sein Interesse an schönen Autos. Sein erstes Auto, ein roter BMW 320i mit schwarzem Interieur, war ein besonderes Andenken an seine verstorbene Mutter - und mit genau diesem Wagen sammelte er die ersten Kilometer auf der Rennstrecke. Behutsam tastete er sich ans Limit heran, immer im Bewusstsein, „ich muss abends wieder heimfahren“, und vermied so anfänglich Risiken, was ihm half, ein sicherer Fahrer zu werden.
Der ungewöhnliche Weg zum Rennfahrer: Anders als viele Profi-Piloten startete Bernd Mayländer nicht in der klassischen Formel-Nachwuchsleiter, sondern eher querfeldein. Zwar versuchte er sich kurz in der Formel-Klasse, doch ein spektakulärer Überschlag in einem Junior-Rennen - bei dem sein Vater miterlebte, wie das Fahrzeug Feuer fing - führte zu einer wichtigen Einsicht. Der Vater sagte daraufhin: „Mein Sohn braucht ein Dach über dem Kopf.“ Mayländer konzentrierte sich fortan lieber auf Tourenwagen und Sportwagen, wo er sich wohler fühlte und die Ergebnisse nicht lange auf sich warten ließen.
Durchbruch im Porsche-Cup und Chance in der DTM: Im Porsche Carrera Cup feierte Mayländer in den frühen 1990er-Jahren erste Erfolge und wurde 1994 sogar zum „Fahrer des Jahres“ gekürt. Diese Leistungen blieben nicht unbemerkt: Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug klopfte nach dem DTM-Finale in Hockenheim bei ihm an und verkündete sinngemäß: „Mensch Bernd, nächstes Jahr suchen wir einen Fahrer - du bist ein Kandidat, bereite dich vor.“ Dieser Vertrauensbeweis ebnete Mayländer den Weg in ein Mercedes-DTM-Cockpit und damit in den professionellen Motorsport auf höchstem Niveau.
Erfolge und Highlights als Rennfahrer: Bernd Mayländer blickt auf etliche Höhepunkte seiner aktiven Rennkarriere zurück. So gelang ihm beispielsweise ein prestigeträchtiger Sieg in der DTM, der für ihn umso bedeutender war, weil er zuvor einen Rückschlag verkraften musste. Stolz erzählt er, wie sogar Formel-1-Stars ihm dazu gratulierten - der erste Gratulant war niemand Geringeres als Michael Schumacher. Zudem nahm Mayländer an berühmten Langstreckenrennen teil, darunter den 24 Stunden von Le Mans, wo er mit Legenden wie Bob Wollek im Team fuhr und wertvolle Erfahrungen sammelte.
Vom Renncockpit ins Safety Car: Ein zentraler Wendepunkt war der Wechsel vom aktiven Rennfahrer zum ständigen Safety-Car-Piloten der Formel 1. Mayländer schildert, wie er Ende der 1990er-Jahre überraschend einen Anruf von Rennleiter Charlie Whiting erhielt. Der bisherige Safety-Car-Fahrer konnte den Job nicht fortführen, und Whiting suchte „einen Fahrer…, der das Safety Car fahren kann.“ Mayländer, dessen enge Verbindung zu Mercedes-AMG bekannt war, griff zu - anfangs noch parallel zu eigenen Renneinsätzen - und übernahm ab 2000 dauerhaft diese Rolle.
Aufgaben und Verantwortung im Safety Car: Der Podcast gibt einen Einblick, wie ein Grand-Prix-Wochenende aus Sicht des Safety-Car-Fahrers abläuft. Mayländer berichtet von Streckenbegehungen, Testfahrten und Briefings bereits am Donnerstag, um die Rennstrecke kennenzulernen und die Systeme - vom Fahrzeug bis zur Funkverbindung - zu prüfen. Im Rennen selbst muss er auf Knopfdruck bereitstehen, um bei Unfällen oder schlechtem Wetter das Feld anzuführen. Dabei arbeitet er eng mit der Rennleitung zusammen, steht per Funk in Kontakt und achtet darauf, das Tempo und Timing genau richtig zu treffen, um Sicherheit und Fairness für alle Fahrer zu gewährleisten.
Langjährige Partnerschaft mit Mercedes-AMG: Ein roter Faden durch Mayländers Werdegang ist seine enge Bindung an Mercedes-Benz. Schon in seiner DTM-Zeit fuhr er Mercedes und auch heute noch ist er als AMG-Markenbotschafter tätig. Gemeinsam mit Rennfahrer-Kollege Bernd Schneider zählt er zu den dienstältesten Gesichtern der Marke. Passend dazu sitzt Mayländer bis heute in einem Mercedes-AMG, wenn er das Safety Car steuert (auch wenn mittlerweile bei einigen Rennen alternierend ein Aston Martin zum Einsatz kommt).
Veränderungen im Laufe der Jahre: Mayländer reflektiert, wie sehr sich sein Beruf über die Jahrzehnte gewandelt hat. Als er anfing, umfasste der Rennkalender nur rund 16 Grands Prix pro Jahr - heute sind es 23 bis 24, was eine erhebliche Steigerung der Reisetätigkeit bedeutet. Insgesamt ist er etwa 160 Tage im Jahr für die Formel 1 unterwegs, und inklusive weiterer Termine wie AMG-Events kommt er auf rund 250 Tage fern der Heimat. Auch die Safety-Cars selbst haben sich weiterentwickelt: Mit immer leistungsstärkeren Modellen (aktuell etwa dem Mercedes-AMG GT Black Series und dem Aston Martin Vantage) ist er „nie langsamer“ unterwegs als im Vorjahr, wie Mayländer schmunzelnd anmerkt.
Leidenschaft, Teamgeist und Familie: Trotz des intensiven Pensums macht Bernd Mayländer klar, dass seine Leidenschaft für den Motorsport ungebrochen ist. Er bezeichnet das Formel-1-Fahrerlager und sein Team als „Familie“ - die Zusammenarbeit mit Kollegen rund um den Globus empfindet er als Bereicherung und freut sich auf jede neue Saison. Gleichzeitig spricht er über die Unterstützung seiner eigenen Familie daheim: Seine Frau und die noch jungen Kinder verstehen, dass „der Papa liebt, was er tut“, auch wenn es bedeutet, viel Zeit unterwegs zu sein. Die Episode zeigt, dass Mayländer mit Herzblut bei der Sache ist und sein außergewöhnliches Berufsleben mit dem Privatleben in Einklang bringt.
Detaillierte Hauptthemen
Herkunft und erste Schritte im Motorsport
Bernd Mayländer wuchs in Baden-Württemberg auf und kam trotz familiärer Wurzeln in der Getränkeindustrie schon früh mit Autos in Berührung. Nach der Schule absolvierte er zwar zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Coca-Cola in Stuttgart, doch seine eigentliche Leidenschaft gehörte dem Motorsport. Bereits als Teenager fuhr er Kart und verbrachte jede freie Minute damit, sich mit schnellen Wagen zu beschäftigen. An seinem 18. Geburtstag konnte er es kaum erwarten, endlich legal Auto zu fahren - und griff zu einer kreativen Lösung: Weil sein Vater am Morgen nicht da war, fuhr der frisch Volljährige kurzerhand 18 Kilometer „schwarz“ mit dem Auto zum Amt, um seinen Führerschein persönlich abzuholen. Kaum hatte er die Fahrerlaubnis in Händen, ging es für den jungen Mayländer auch schon auf die Rennstrecke: Nur wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag reiste er mit Freunden zum Nürburgring, löste ein Jahresticket für die Nordschleife und drehte dort seine ersten Runden im eigenen Auto.
Sein erstes Fahrzeug - ein roter BMW 320i, den er von seiner Mutter geerbt hatte - wurde für Bernd Mayländer zum Lernwerkzeug auf der „Grünen Hölle“. Mit großer Vorsicht und Respekt näherte er sich der anspruchsvollen Strecke. „Ich habe es mir wirklich ganz langsam beigebracht, weil ich wusste, ich muss abends wieder heimfahren“, erinnert er sich. Anfangs fuhr er gemächlich mit heruntergelassenen Fenstern und lauter Musik, statt auf Rundenrekorde zu jagen. Diese bedächtige Herangehensweise zahlte sich aus: Mayländer blieb unfallfrei und baute nach und nach enorme Streckenkenntnis auf. Jede Runde auf der Nordschleife - ob alleine oder mit Freunden, die er als „Taxi“-Passagiere mitnahm - festigte seinen Traum, vielleicht eines Tages professionell Rennen zu fahren.
Vom Hobbyfahrer zum Rennprofi
Der Weg vom Freizeitfahrer zum professionellen Rennfahrer gestaltete sich für Mayländer alles andere als gradlinig. Anders als viele seiner Konkurrenten durchlief er keine stringente Nachwuchs-Formelklasse, sondern suchte zunächst querbeet nach Möglichkeiten, Rennluft zu schnuppern. Anfang der 1990er versuchte er sein Glück in einer Formel-Nachwuchsserie auf dem Hockenheimring - doch dieses Kapitel endete abrupt: Gleich bei seinem ersten Rennen überschlug sich sein Monoposto in der berüchtigten Sachskurve und fing Feuer. Mayländer blieb glücklicherweise unverletzt, doch das Erlebnis war prägend. Sein Vater, der den Unfall mit ansehen musste, reagierte erleichtert aber bestimmt: „Mein Sohn braucht ein Dach über dem Kopf“, soll er nach dem Schreck gesagt haben. Für den jungen Bernd stand damit fest, dass offene Rennwagen vielleicht nicht sein bevorzugtes Metier waren.
Statt auf eine Formel-Karriere setzte Mayländer fortan auf Tourenwagen und Sportwagenrennen - ein Terrain, das ihm besser lag. Seine sichere Fahrweise und die Erfahrung von zahllosen Nordschleifen-Kilometern zahlten sich aus, als er in der deutschen Motorsportszene erste Gelegenheiten bekam. Ein früher Meilenstein war die Teilnahme an einem Markenpokal-Rennen für Porsche: Der damalige Porsche-Motorsportchef Max Welti lud ihn ein, bei einem Clubsport-Rennen am Nürburgring einen Porsche 968 CS zu pilotieren - Mayländers erster kleiner Einsatz als Werksfahrer. Dieses Rennen in der Clubsport-Version des Porsche 968, bei dem er sogar mit Tourenwagen-Profi Thomas Winkelhock im Team fuhr, erwies sich als wertvolle Visitenkarte: Mayländer machte mit einer starken Vorstellung weiter auf sich aufmerksam. Bald darauf folgten regelmäßige Starts im Porsche Carrera Cup Deutschland, wo er sich gegen starke Konkurrenz behaupten und weiteres Renntalent unter Beweis stellen konnte.
Erfolg im Porsche-Cup und Aufstieg in die DTM
In der nationalen Porsche-Rennszene machte sich Bernd Mayländer rasch einen Namen. 1994 krönte er seine Saison im Porsche Carrera Cup mit der Auszeichnung zum „Fahrer des Jahres“, was seine Fähigkeiten eindrucksvoll unterstrich. Diese Erfolge blieben auch den großen Akteuren des Motorsports nicht verborgen. Insbesondere Mercedes-Benz wurde auf den ehrgeizigen Schwaben aufmerksam, denn Mayländer stammte aus Schorndorf - der Geburtsstadt von Gottlieb Daimler - und hatte bereits früh eine Verbindung zur Marke. Nach dem letzten DTM-Rennen der Saison 1994 in Hockenheim bekam Mayländer Besuch von niemand Geringerem als Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Haug gratulierte ihm zu seinen Leistungen und stellte in Aussicht, dass bei Mercedes ein Cockpit frei werde. „Mensch Bernd, nächstes Jahr suchen wir einen Fahrer - du bist ein Kandidat, bereite dich mal vor“, habe Haug ihm damals mit auf den Weg gegeben. Für Mayländer ging damit ein Traum in Erfüllung: 1995 erhielt er einen Platz im Mercedes-Team in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM).
Der Einstieg in die DTM bedeutete für den jungen Fahrer einen gewaltigen Sprung. Plötzlich fand er sich im werksunterstützten Team Persson Motorsport wieder und trat gegen die Elite der Tourenwagen-Szene an. Die DTM, die Mitte der 90er Jahre in die internationale ITC überging, war technisch hochgerüstet und professionell - „ein Riesenschritt“ in Mayländers Karriere, wie er rückblickend berichtet. Anfangs musste er sich in einem Vorjahresmodell behaupten und gegen routinierte Werksfahrer durchsetzen. Trotz dieser Herausforderungen gelang es Mayländer, sich zu etablieren und wertvolle Erfahrungen auf den Grand-Prix-Strecken Europas und darüber hinaus zu sammeln. Als die DTM/ITC Ende 1996 vorerst eingestellt wurde, hatte er sich einen Ruf als solider und schneller Pilot erarbeitet, der jederzeit für höhere Aufgaben in Frage kam.
Langstreckeneinsätze und Le-Mans-Abenteuer
Nach dem vorläufigen Ende der DTM wandte sich Mayländer verstärkt dem Sportwagen- und Langstreckensport zu. Mercedes blieb weiterhin sein Partner - so ging er in den späten 1990ern in der FIA-GT-Meisterschaft und bei Langstreckenklassikern an den Start. Ein besonderes Highlight seiner Laufbahn war die erstmalige Teilnahme am legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Mayländer hatte intern bei Mercedes signalisiert, dass er die französische Sarthe-Strecke gerne kennenlernen würde, und bekam die Chance, 1999 dort an den Start zu gehen. Er teilte sich das Cockpit eines Porsche-911-GT-Rennwagens mit zwei namhaften Teamkollegen: dem jungen Porsche-Junior Dirk Müller und der Langstrecken-Ikone Bob Wollek. Für Mayländer, der bis dahin vor allem Sprintrennen kannte, war das Debüt in Le Mans eine Lehrstunde in Sachen Ausdauer und strategisches Fahren. „Für mich war es extrem wichtig… es war das erste Mal Le Mans… der Lerneffekt Le Mans ist auf jeden Fall da“, beschreibt er rückblickend die Bedeutung dieses Einsatzes für seine Fahrerentwicklung. In der Nacht und auf den ultraschnellen Geraden von Le Mans gewöhnte er sich daran, die Rückspiegel im Auge zu behalten, denn mit dem relativ langsamen GT-Fahrzeug musste er ständig von schnelleren Prototypen überrundet werden. Dennoch hielt das Team gut mit und lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Schwesterfahrzeug. Zwar reichte es am Ende nicht für einen Klassensieg, doch Mayländer gewann unbezahlbare Erfahrungen und durfte von einem Routinier wie Bob Wollek lernen - einem „eigenwilligen Franzosen mit riesiger Erfahrung“, wie er ihn respektvoll charakterisiert. Zwei Jahre später verstarb Wollek überraschend, was dem Le-Mans-Abenteuer im Nachhinein zusätzliche emotionale Bedeutung verleiht.
Der Weg ins Formel-1-Safety-Car
Während Bernd Mayländer sich als vielseitiger Rennfahrer einen Namen machte, bahnte sich Ende der 90er-Jahre eine völlig neue Gelegenheit an. Die Formel 1, in der er zuvor bereits als Fahrer in Rahmenrennen (etwa im Porsche Supercup) präsent gewesen war, klopfte an - allerdings mit einem ungewöhnlichen Angebot. Der langjährige Formel-1-Renndirektor Charlie Whiting war auf der Suche nach einem geeigneten Piloten für das offizielle Safety Car der Königsklasse. Der vorherige Fahrer, der Brite Oliver Gavin, stand nicht mehr zur Verfügung, sodass kurzfristig Ersatz gebraucht wurde. Mayländer, dank seiner Mercedes-Erfahrung und seiner Reputation ein aussichtsreicher Kandidat, wurde in Whiting’s Büro zitiert. „Charlie hat mich damals angerufen... und dann kam die Offerte: Wir schauen nach einem Fahrer, der das Safety Car fahren kann“, erinnert sich Mayländer an den Schlüsselmoment, der seine Laufbahn verändern sollte. Tatsächlich übertrug die FIA ihm ab der Saison 2000 die Aufgabe, das Safety Car bei den Grands Prix zu pilotieren - zunächst probeweise bei einzelnen Rennen und bald darauf als festen Posten.
In den ersten Jahren war Mayländer noch parallel als aktiver Rennfahrer unterwegs und durfte wichtige eigene Rennen priorisieren. Charlie Whiting wusste, dass Mayländers „Rennerei Priorität hat“ und ließ ihm beispielsweise Freiräume, um an Klassikern wie Le Mans teilzunehmen. Doch schon Anfang der 2000er wurde der Safety-Car-Einsatz zum Hauptberuf für Mayländer. Fortan reiste er zu jedem Grand Prix und stand jederzeit bereit, um im Notfall das Feld anzuführen. Dass er nun nicht mehr um Siege fuhr, sondern Sicherheit garantierte, empfand er nicht als Nachteil - im Gegenteil: Der prestigeträchtige Job als Sicherheitsfahrer eröffnete ihm eine ganz neue Karriere im Motorsport.
Alltag und Verantwortung als Safety-Car-Fahrer
Bernd Mayländer gewährt im Podcast detaillierte Einblicke in seinen heutigen Arbeitsalltag bei der Formel 1. Jede Grand-Prix-Woche beginnt für ihn meist bereits am Mittwoch mit der Anreise, oft um die halbe Welt. Am Donnerstag steht ein ausführlicher Track-Walk mit den Rennleitern auf dem Programm: Gemeinsam mit dem Renndirektor läuft er die gesamte Strecke ab und begutachtet eventuelle Änderungen oder Besonderheiten - von neu asphaltierten Kurven bis zu den Kerbs. Anschließend absolviert Mayländer einen festen Programmpunkt, der vielen Fans gar nicht bekannt ist: den Safety-Car-Test. „Von 14 bis 15 Uhr habe ich einen offiziellen Tracktest, wo ich eine Stunde lang das Safety Car über die Rennstrecke quälen darf“, berichtet er schmunzelnd. In diesem privaten Training fährt er zusammen mit dem medizinischen Einsatzfahrzeug zahlreiche Runden, um die Strecke „wieder kennenzulernen“ und Daten zu sammeln. Dabei wird alles überprüft - zum Beispiel, ob die Rundenzeiten im Soll liegen, die Funkverbindungen funktionieren und der Helikopter die Strecke wie vorgesehen abfliegen kann. Mayländer beschreibt, dass diese Tests für alle Beteiligten wichtig sind: So können sich Kameraleute, Streckenposten und auch er selbst optimal auf das kommende Rennwochenende einstellen.
Kommt es dann während des Rennens zu einem Unfall, schlechtem Wetter oder anderen Gefahren, schlägt Mayländers große Stunde. Auf Anordnung der Rennleitung rückt er im silbernen Mercedes-AMG Safety Car aus und übernimmt die Führung des Feldes, bis die Strecke wieder freigegeben werden kann. In diesen heiklen Phasen trägt er große Verantwortung: Er muss ein angemessen hohes Tempo halten, damit die Rennwagen ihre Reifentemperatur behalten, darf aber auch nicht zu schnell sein, um die Sicherheit nicht zu gefährden. Über Funk steht er in ständigem Kontakt mit der Rennleitung - zu Zeiten von Charlie Whiting hatte er dessen rechte Hand Herbie Blash und Charlie selbst „immer am Ohr“. Mayländer meldet etwa Trümmerteile oder Wetteränderungen an Race Control und erhält umgekehrt Anweisungen, zum Beispiel wenn das Tempo angepasst werden muss. „You never will win a race, just do your job as good as possible“, gab ihm Charlie Whiting als Motto mit auf den Weg - Mayländer wird niemals auf dem Podium stehen, aber er leistet einen entscheidenden Job im Hintergrund. Diese Philosophie prägt sein Handeln bis heute: Er versucht, das Rennen so sicher und zugleich so unscheinbar wie möglich über die Bühne zu bringen.
Motorsport als Lebensinhalt: Teamgeist und Familie
Ein Vierteljahrhundert im Dienst der Sicherheit - und kein Ende in Sicht. Bernd Mayländer ist auch nach so vielen Jahren mit ungebrochener Begeisterung dabei. Er betont, dass sein Job für ihn weit mehr ist als nur ein Brotberuf: Über die Jahre ist das Formel-1-Paddock zu einer zweiten Heimat geworden. „Es ist ja nicht nur ein Job… es ist eine Familie“, sagt er über das eingespielte Team aus Ingenieuren, Mechanikern, Offiziellen und Fahrerkollegen, mit dem er rund um die Welt unterwegs ist. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Aufgabe kräftezehrend ist: Heute umfasst der Rennkalender fast zwei Dutzend Grands Prix auf vier Kontinenten. „Wie viele Tage im Jahr bist du unterwegs?“, hakt der Moderator nach - rund 160 Tage im Jahr sei Mayländer allein für die Formel 1 auf Achse, rechnet dieser vor. Nimmt man PR-Termine und seine Tätigkeit als Mercedes-AMG-Markenbotschafter hinzu (etwa Fahrveranstaltungen auf Eis und andere Events), summiert sich die Abwesenheit auf etwa 250 Tage jährlich.
Die Kehrseite des glamourösen Lebens auf der Überholspur ist also ein enormes Pensum an Reisen und Abwesenheit von zuhause. Doch Mayländer bekommt viel Rückhalt von seiner Familie. „Meine Frau weiß das, meine beiden Kinder verstehen es… der Papa liebt das, was er tut“, berichtet er. Seine beiden Kinder im Grundschulalter kennen es gar nicht anders, als dass ihr Vater um die Welt jettet, um Rennen sicherer zu machen. Natürlich gebe es auch bei einem Traumjob wie seinem Momente, in denen man an die Belastungen denkt. Aber bislang überwiegt für Mayländer die Leidenschaft: Solange „außergewöhnliche Dinge“ passieren und ihn die Faszination Motorsport antreibt, macht er weiter. Mit jedem neuen Jahr gibt es neue Autos, neue Herausforderungen und neue Geschichten - und Bernd Mayländer ist entschlossen, seine einzigartige Rolle in der Formel 1 so lange wie möglich mit Leben zu füllen.
Fazit
Die Podcast-Episode mit Bernd Mayländer liefert spannende Einblicke in eine Motorsportkarriere abseits des Gewohnten. Als langjähriger Safety-Car-Fahrer der Formel 1 hat Mayländer einen einzigartigen Erfahrungsschatz angesammelt, den er offen mit den Hörern teilt. Im Gespräch mit Carsten Arndt wird deutlich, wie konsequent er seiner Leidenschaft gefolgt ist - von den ersten vorsichtigen Runden auf der Nordschleife bis hin zu seinem verantwortungsvollen Job an der Spitze des Formel-1-Feldes. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich so zusammenfassen: Leidenschaft und Beharrlichkeit können zu ungewöhnlichen Karrierewegen führen, und hinter den Kulissen des Rennsports gibt es Persönlichkeiten wie Mayländer, die mit Hingabe und Können zum Gelingen jeder Veranstaltung beitragen.
Für die Zuhörer bietet diese Episode nicht nur unterhaltsame Anekdoten, sondern auch lehrreiche Hintergründe. Man erfährt, wie viel Vorbereitung und Professionalität hinter dem vermeintlich simplen Job des Safety-Car-Fahrers steckt - von Vorab-Tests und Streckenbegehungen bis zur engen Abstimmung mit der Rennleitung. Mayländers Geschichten zeigen zudem, wie sehr sich der Motorsport in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat: Von der „goldenen Ära“ der DTM in den 90ern über riskante Abenteuer in Le Mans bis zur hochoptimierten Welt der modernen Formel 1. Gerade weil er sowohl die alte Schule als auch die neue Generation kennt, schlägt Mayländer eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Seine Erinnerungen an Größen wie Charlie Whiting oder Norbert Haug verdeutlichen, wie wichtig persönliche Mentoren und Netzwerke im Motorsport sein können.
Am Ende bleibt der Eindruck, einen bodennahen und begeisterten Motorsport-Enthusiasten kennengelernt zu haben, der seinen Traumjob mit Demut und Freude ausübt. Bernd Mayländer vermittelt glaubhaft, dass es im Rennsport nicht allein auf Ruhm und Siege ankommt, sondern ebenso auf Teamwork, Verantwortung und Leidenschaft. Diese Authentizität und die Fülle an Erlebnissen machen die Podcast-Folge zu einer bereichernden Erfahrung - für eingefleischte Motorsportfans ebenso wie für Neugierige, die einen Blick hinter die Kulissen der Formel 1 werfen möchten. Nach rund anderthalb Stunden "Alte Schule" mit Bernd Mayländer nimmt man nicht nur faszinierende Geschichten mit, sondern auch das Gefühl, einen der stillen Helden der Formel 1 persönlich kennengelernt zu haben.